Yoga

Wo fängt Yoga an?

Viele möchten Yoga praktizieren, wissen aber nicht wo man anfängt

So ging es mir vor einiger Zeit auch. Da wusste ich einfach nicht wo ich anfangen soll. Dabei ist es ganz einfach! Yoga ist Selbstdisziplin, damit ist nicht nur die physische Selbstdisziplin gemeint, sondern die geistige an erster Stelle.

Es ist wichtig zu verstehen, dass jede mystische Kraft, ohne Reinheit des Geistes, den menschlichen Zustand eher verschlimmert: stärkt seine Zuneigung für Materie, Ehrgeiz, Stolz, Leidenschaft und Freude der materiellen Welt und Egoismus.

In den Abhandlungen, die den Weg von Raja Yoga beschreiben (Schandilya Upanishad, Yoga Sutra von Patanjali) wird erläutert, dass dieser Weg nicht mit Asanas und Pranayamas beginnt (also nicht mit Yoga Stellungen und Atemübungen), sondern mit Yama und Niyama – geistigen und moralischen Prinzipien.

Yama und Niyama sollten auf allen drei Ebenen der Manifestation der menschlichen Energie geübt werden:

Die Prinzipien von Yama:

  1. Ahimsa – Gewaltlosigkeit (aus dem Grund sind alle Yogis Vegetarier).
  2. Brahmacharya – Absehen von allen Leidenschaften, Selbstdisziplin.
  3. Asteya – das Nichtstehlen.
  4. Aparigraha – Verzicht auf das Überflüssige, nur das Lebensnotwendige.
  5. Satya – Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit in Bezug auf andere Menschen und zu sich selbst.

Die Prinzipien von Niyama:

  1. Saucha – Reinheit von Körper und Geist.
  2. Santosha – Ruhe, Zufriedenheit und Akzeptanz aller Dinge, so wie sie sind.
  3. Tapas – Selbstdisziplin, den Körper gesund und fit zu halten durch regelmäßigen Praktiken.
  4. Svadhyaya – kontinuierliche Selbstentwicklung, Selbstbelehrung, Entwicklung des Geistes, die Suche nach neuen Erkenntnissen. Lesen und verstehen von großen Schriften, die von geistig fortgeschrittenen Lehrern geschrieben wurden. Wiederum viel lesen ohne das richtige Verständnis dafür zu haben bedeutet nicht dem Svadhyaya – Prinzip folgen.
  5. Ishvara Pranidhana – Hingabe an das Göttliche.

Hatha Yoga wurde in den späteren mittelalterlichen Abhandlungen beschrieben (zum Beispiel Hatha Yoga Pradipika) als zugänglicher und allmählicher Weg, der letztendlich auch zu Raja Yoga führen muss. Es beginnt mit der Reinigung des physischen Körpers. Shatkarmas (Reinigungstechniken) haben ebenso sehr positive Auswirkungen auf den Geist des Praktizierenden. Erst nach der Reinigung und Stärkung des physischen Körpers sollten die weiteren Stufen des 8-gliedrigen Pfads praktiziert werden.

Mit der Entwicklung der geistigen Prinzipien und Ausüben von moralischen und ethischen Grundlagen Yama/Niyama fängt Yoga an. Ohne diese Grundlagen ist es unmöglich sich von Befestigungen der materiellen Welt zu befreien: Lust zum Besitzen und Erwerben, materielle Anhäufung, d. h. die Leidenschaften, die uns von der geistigen Entwicklung wegführen.  Buddha sagte: „Wenn wir Dinge festhalten, werden sie zur Quelle des Leidens.“ Durch viel Besitz von unnötigen, materiellen Sachen und dem Wunsch danach noch mehr zu besitzen, macht unser Leben geistig arm. Es verhindert das wahre Wesen der Dinge zu sehen.

Ich kann mich nur den Erfahrungen von vielen Yogis anschließen, dass mit der regelmäßigen Yoga – Praxis sich die Lebensqualität zum Positiven verbessert. Wieso dann diese Gewohnheit nicht einfach in den Tagesablauf integrieren? Schließlich haben wir auch gelernt, unsere Zähne zu putzen in der Hoffnung sie von Karies zu befreien. So können wir auch lernen Yoga regelmäßig zu praktizieren in der Hoffnung sich von Leiden zu befreien.